China fordert Europa in Lateinamerika heraus – aber verdrängt es (noch) nicht

China fordert Europa in Lateinamerika heraus – aber verdrängt es (noch) nicht

Während sich der lateinamerikanische Handel mit China wieder erholt hat und die chinesische Regierung die lateinamerikanischen Staaten hofiert, riskiert die EU, von China überholt zu werden. Dies zeigen neue Kooperationsinitiativen des zweiten China-CELAC-Forums in Santiago de Chile am 21./22. Januar 2018. Im Gegensatz dazu war das 3. Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) mit CELAC (der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten), das für Oktober 2017 geplant war, ohne Ersatztermin verschoben worden.

  • China hat Europa als zweitwichtigsten Handelspartner Lateinamerikas nach den Vereinigten Staaten abgelöst; für mehrere lateinamerikanische Staaten ist das Land sogar zum bedeutendsten Handelspartner avanciert. Um den gemeinsamen Handel noch weiter auszubauen, hat die chinesische Regierung die Regierungen Lateinamerikas zur Teilnahme an der Road and Belt Initiative (RBI) eingeladen.
  • Noch haben europäische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) deutlich größere Bedeutung für Lateinamerika als chinesische. Doch China dehnt sein Engagement aus und diversifiziert seine Investitionen in Lateinamerika. Zudem ist das Land inzwischen ein wichtiger Kreditgeber für den Subkontinent.
  • Die Beziehungen Chinas zu Lateinamerika können als pragmatisch angesehen werden; sie decken ein breites politisches Spektrum ab, mit starker Betonung ökonomischer Themen. Doch das Land wird künftig auch auf “Soft Power” setzen, um seine Interessen in Lateinamerika zu fördern, chinesische Kulturkontakte und den akademischen Austausch ausbauen und künftige politische Führer einladen.
  • Während China aus der Vernachlässigung Lateinamerikas durch die US-Außenpolitik Vorteile ziehen kann, hat die EU die an sie gerichteten Erwartungen nicht erfüllt: Weder konnten, wie für 2017 vorgesehen, die Verhandlungen für einen Freihandelsvertrag mit dem Mercosur abgeschlossen werden, noch kam es zur Ausweitung der bestehenden Vereinbarungen mit Chile und Mexiko

Fazit:

Die Europäische Union sollte die Herausforderungen der chinesischen Politik in Lateinamerika ernster nehmen, sich selbst stärker dort engagieren und eine klare Strategie entwickeln. Vereinbarungen zum freien Handelsaustausch und zu wirtschaftlicher Kooperation mit Lateinamerika sollten prioritär behandelt werden. Die LAC-Regierungen sind daran interessiert, für sich eine Win-Win-Situation zu schaffen und sowohl mit China als auch mit Europa zusammenzuarbeiten. China verdrängt Europa in Lateinamerika nicht, doch das Land expandiert in Bereichen, die von der EU vernachlässigt werden. Lesen Sie hier weiter

GIGA German Institute of Global and Area Studies
Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien
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