Vorhandene Kräfte bündeln, neue Verfahren ansiedeln

Vorhandene Kräfte bündeln, neue Verfahren ansiedeln – Ein Interview mit Dr.-Ing. Andreas Wolf Geschäftsführer robomotion GmbH

vergrößern Dr.-Ing. Andreas Wolf Geschäftsführer robomotion GmbH Dr.-Ing. Andreas Wolf Geschäftsführer robomotion GmbH (Bild: © Dr.-Ing. Andreas Wolf) An welche Anekdote beim Fraunhofer IPA erinnern Sie sich gern zurück?

Zu meiner Zeit waren Professor Warnecke und Professor Schraft Institutsleiter des IPA. Herr Schraft war eher der Innenminister und Herr Warnecke der Außenminister und somit viel unterwegs. Wenn man eine neue Idee hatte, dann musste man sich bei Herrn Warnecke ins Auto setzen, mitfahren und die Idee vorstellen. Das habe ich dann auch so gemacht und erhielt von ihm direkt einen Freibrief. Sein Satz »Machen Sie mal!« war für mich Ansporn und Vertrauen zugleich, um zwei Jahre später Ergebnisse zu präsentieren, die mit der Industrie weiterentwickelt werden konnten.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht die angewandte Forschung aus?

Zum einen ist die Universitätsnähe ein großer Vorteil. Zum anderen kommen neueste Erkenntnisse schnell in die Umsetzung, wenn sie einen hohen Praxisbezug haben. Der Bedarf an angewandten Forschungsleistungen ist vor allem im Mittelstand hoch, da hier oft die Infrastruktur und das Personal fehlen, um sich damit ausreichend beschäftigen zu können.

Kommen wir zum Zentrum für Additive Produktionstechnologien, das unter dem Dach des Campus für Personalisierte Produktion am Standort Stuttgart entstehen soll. Welche Rolle spielen Sie hier?

Ich sehe mich als Industriepartner, der zum einen dabei ist, wenn die industrierelevanten Themen definiert werden, und zum an- deren als Brückenbauer, um Industriekontakte zu vermitteln – allen voran aus dem mittelständischen Maschinenbau.

Wo kann das Fraunhofer IPA bereits heute bei der additiven Fertigung punkten?

Bereits vor mehr als 20 Jahren beschäftigte sich das IPA mit dieser Thematik. Zu diesem Zeitpunkt wurde mit dem Anwenderforum, das es noch heute gibt, eine Plattform geschaffen, die zum Austausch für Hersteller, Nutzer und eben Wissenschaftler diente. Grundsätzlich bietet das IPA neben einer tollen Infrastruktur produktionstechnisches Know-how entlang der gesamten additiven Fertigungskette. Aber vor allem die Automation rund um additiv gefertigte Bauteile – seien sie aus Kunststoff oder Metall – wird in den nächsten Jahren erheblichen Forschungs- und Entwicklungsbedarf generieren.

Was können Sie abschließend zur Entwicklung von Greifern für Trüffelpralinen sagen?

Hier ging es um Versuchsverfahren und Konstruktionsweisen, die wir zusammen mit Fraunhofer entwickelt und aufgebaut haben. Ein Schwerpunkt lag auf lebensmittelgerechten Beschichtungs- und Handling-Prozessen, die strikten Normenvorgaben genügen und für hohe Stückzahlen funktionieren müssen. Angewendet haben wir das in einem Projekt zum automatischen Verpacken von Trüffelpralinen. Der Greifer darf das Produkt nicht beschädigen, sollte es aber auch nicht bei der Handhabung aus den Fingern verlieren.