Alle Grundschullehrkräfte sollen künftig Deutsch und Mathe studieren

Expertenkommission übergibt Empfehlungen zur Verbesserung der Lehrerausbildung in Hamburg

In Hamburg sollen alle künftigen Grundschullehrkäfte in einem eigenständigen Studiengang ausgebildet werden und drei Fächer studieren - Deutsch, Mathematik und ein weiteres Unterrichtsfach ihrer Wahl. Das ist einer von mehreren Vorschlägen einer hochrangigen Expertenkommission unter der Leitung des Bildungswissenschaftlers Prof. Dr. Ewald Terhart. Die Kommission war im September 2015 beauftragt worden, Vorschläge zur Verbesserung der Hamburger Lehrerausbildung zu entwickeln. Die Reform ist unter anderem nötig, weil der nur noch in Hamburg angebotene einheitliche Studiengang für Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz bundesweit seine Anerkennung verlieren wird und nicht mehr zur Hamburger Schulstruktur passt. Die Expertenkommission hat ihre Vorschläge nun Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Schulsenator Ties Rabe überreicht.

Grundschullehrkräfte sollen Deutsch und Mathe studieren

An der Universität Hamburg werden zurzeit vier Studiengänge für die Lehrämter an Gymnasien, Berufsschulen, Sonderschulen sowie Grund-, Haupt- und Realschulen angeboten. Tatsächlich aber gibt es in Hamburg seit 2010 keine kombinierten Grund-, Haupt- und Realschulen mehr. Schul- und Wissenschaftsbehörde wollen deshalb in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg die Lehrerausbildung reformieren und passgenauer auf die Hamburger Erfordernisse ausrichten. Der dazu eingesetzten Expertenkommission gehörten neben Prof. Terhart auch Prof. Dr. Vera Moser (Berlin, Rehabilitationspädagogik), Prof. Dr. Susanne Miller (Bielefeld, Grundschulpädagogik), Prof. Dr. Julia Gillen (Hannover, Berufspädagogik) und Dr. Reiner Schmitz (Staatsrat a.D.) an, moderiert wurde sie von Oberschulrat a.D. Aart Pabst.

Im Kern empfehlen die Expertinnen und Experten folgende Veränderungen:

1.    Es soll ein neuer Studiengang für ein eigenes Grundschullehramt mit drei Unterrichtsfächern eingerichtet werden. Deutsch und Mathematik sind dabei obligatorisch vorzusehen und mit einem Wahlfach zu ergänzen.

2.    Es soll ein neuer Studiengang für ein Stadtteilschullehramt mit zwei Unterrichtsfächern eingerichtet werden. Der Studiengang soll erhebliche Überschneidungen mit dem unverändert angebotenen Gymnasiallehramt haben. Allerdings sollen Stadtteilschullehrkräfte nur eines von zwei Unterrichtsfächern auf gymnasialem Niveau studieren und bis zum Abitur unterrichten. Das zweite Fach wird für die Sekundarstufe I (bis Klasse 10) studiert, dafür wird das Pädagogik-Studium ausgeweitet.

3.    In den Lehramtsstudiengängen sollen die angehenden Lehrkräfte besser auf die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler sowie die Unterrichtsentwicklung vorbereitet werden.

4.    Sonderpädagoginnen und -pädagogen sollen im Studium zusätzlich auf mögliche Tätigkeiten an inklusiven Schulen vorbereitet werden. Zudem soll das Sonderpädagogikstudium schulstufenspezifisch ausgerichtet werden.

5.    Ingenieuren und anderen Absolventen von technikwissenschaftlichen Bachelor-studiengängen soll der Quereinstieg in das Berufsschullehramt erleichtert werden, um dem Mangel an Lehrkräften in einigen beruflichen Fächern abzuhelfen.

Darüber hinaus schlägt die Expertenkommission vor, für die Studierenden wieder einen gewissen Raum für eine individuelle Schwerpunktsetzung im Studium zu schaffen und macht konkrete Vorschläge, wie das in dem Bachelor-Master-System umzusetzen ist. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Schulsenator Ties Rabe dankten den Expertinnen und Experten für ihre engagierte Arbeit.

Katharina Fegebank: "Wir brauchen die bestmögliche Ausbildung für unsere angehenden Lehrkräfte und für unsere Schülerinnen und Schüler. Die Vorschläge der Kommission bieten viele wichtige und interessante Denkanstöße. Ich freue mich darüber, dass die Expertinnen und Experten ihre vielfältigen Erfahrungen und Kenntnisse aus zahlreichen Fachgebieten der universitären Lehrerbildung in ihre Arbeit haben einfließen lassen und danke ihnen herzlich für ihr starkes Engagement." 

Ties Rabe: "Die Vorschläge sind sehr sorgfältig erarbeitet worden und stellen einen gelungenen Impuls für die weitere Diskussion zur Reform der Lehrerbildung in Hamburg dar. Mit einem eigenen Studiengang für das Grundschullehramt vollzieht Hamburg einen Entwicklungsschritt, den andere Bundesländer bereits vollzogen haben und der der besonderen Bedeutung dieser Schulform für den Bildungsweg der Kinder entspricht."

Die Expertenkommission hat einerseits ihre Vorstellungen hinreichend deutlich entwickelt, andererseits aber in Bezug auf die der konkrete Ausgestaltung und Umsetzung Spielräume gelassen, um insbesondere den Gestaltungsraum der Universität und der beteiligten Hochschulen nicht unnötig einzuschränken. Denn die konkreten Umsetzungen können erfolgreich nur unter der Beteiligung der jeweils verantwortlichen Institutionen umgesetzt werden.

Senatorin Fegebank und Senator Rabe: "Die Empfehlungen der Expertenkommission werden deshalb in den nächsten Wochen von Fachleuten der Wissenschaftsbehörde und der Schulbehörde sowie der Universität und der beteiligten Hochschulen geprüft und jeweils aus ihrer fachlichen Sicht kommentiert. In diesem Zusammenhang möchten wir auch alle Interessierten in Hamburg zu einem breiten Diskussionsprozess einladen. Deshalb werden wir die Empfehlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen und umgehend im Internet veröffentlichen. Auf der Grundlage der jetzt beauftragten Stellungnahmen aus Hochschulen und Behörden sowie auf der Grundlage weiterer Stellungnahmen von Kammern, Verbänden und Interessengruppen werden Wissenschafts- und Schulbehörde noch in diesem Jahr einen Vorschlag entwickeln und Senat und Bürgerschaft vorlegen."

Empfehlungen der Expertenkommission zur Fortschreibung der Reform der Lehrerbildung in Hamburg www.hamburg.de/bsb/de/7937096

Ein druckfähiges Foto der Übergabe durch die Expertenkommission an die Senatoren Fegebank und Rabe kann zur Verfügung gestellt werden: pressestelle@bsb.hamburg.de

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