Wissenschaftsrat sieht die Universität Hamburg auf einem guten Weg

Gutachten bestätigt eine Reihe starker Forschungsbereiche in den Geistes- und Sozialwissenschaften und empfiehlt klarere Profilbildung

Gutachten bestätigt eine Reihe starker Forschungsbereiche in den Geistes- und Sozialwissenschaften und empfiehlt klarere Profilbildung

Eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien Deutschlands, der Wissenschaftsrat (WR), hat die Leistungsfähigkeit der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Gesamtstrategie der Universität Hamburg begutachtet. Als charakteristische Stärke der Universität sehen die Expertinnen und Experten die hohe Interdisziplinarität der Forschung, die große Fächervielfalt und eine Lehre, die hochschulweit durch die Breite des Angebots und die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten geprägt ist. Laut Wissenschaftsrat verfügt die Universität über einige aufstrebende Forschungsbereiche, die großes Potential im Hinblick auf eine deutlichere Sichtbarkeit der Geistes- und Sozialwissenschaften aufweisen. Verbesserungsbedarf sieht das Gremium unter anderem in der Strategie- und Profilbildung und bei der Qualitätssicherung der Lehre. 

Katharina  Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „An der Universität Hamburg wird über Fächergrenzen hinweg gedacht und geforscht. Das ist eine besondere Stärke. Die Einschätzung des Wissenschaftsrats zeigt uns, welche Bereiche bereits sehr gut aufgestellt sind und an welchen Stellen gearbeitet werden muss, um die Geistes- und Sozialwissenschaften noch sichtbarer zu machen und die Universität als Ganzes im bundesweiten Wettbewerb zu positionieren. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit der Universität den eingeschlagenen Erfolgskurs weiterzugehen und die Wissenschaft in Hamburg weiter zu stärken.“

Einer Reihe von Forschungsbereichen attestieren die Expertinnen und Experten hohe Interdisziplinarität, Forschungsstärke und zum Teil auch internationale Sichtbarkeit. So arbeiten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction (CliSAP)“ eng mit Forschenden aus den Naturwissenschaften zusammen. Im „Hamburg Center for Health Economics“ kooperieren die Wirtschaftswissenschaften mit der Medizin und am Forschungsschwerpunkt „Neurowissenschaften“ arbeiten die Bereiche Medizin, Psychologie und Informatik  an Projekten aus der grundlagen- und therapieorientierten Erforschung des Gehirns. Der Bereich „The Early Modern World“ erforscht fächerübergreifend die Frühe Neuzeit und nutzt laut Expertengremium vorbildlich die Vorteile des Standorts mit seiner Fächervielfalt und Internationalität. Der Wissenschaftsrat konstatiert aber auch, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften insgesamt noch zu wenig sichtbar hinsichtlich ihrer Forschungsleistung sind und das Profil der Universität noch nicht stark genug prägen.

Als profilbildend für die Fakultät der Geisteswissenschaften kann der Schwerpunkt „Manuskriptkulturen“ angesehen werden. Dieser Zusammenschluss von 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Einbeziehung von 19 Fächern der Universität Hamburg ist weltweit einzigartig. Der Wissenschaftsrat attestiert diesem Forschungsschwerpunkt besondere Drittmittelstärke und Internationalität. Insgesamt verzeichneten die forschungsstarken Bereiche der Sozial- und Geisteswissenschaften in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von eingeworbenen Drittmitteln. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 31,5 Mio. Euro eingeworben. Das sind 10,2 Mio. Euro mehr als noch 2011 und entspricht einem Plus von 48 Prozent.

Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrats: „Land und Universität haben schon viele Anregungen des Wissenschaftsrates aufgegriffen und damit die Grundlage geschaffen, um die Universität und damit auch den Wissenschaftsstandort Hamburg weiter zu stärken. Dieses Engagement sollte nicht nachlassen. Hamburg hat alle Voraussetzungen, ein starker Wissenschafts- und Universitätsstandort zu sein.“

Neben der großen Fächervielfalt und der hohen Interdisziplinarität der Forschung sehen die Expertinnen und Experten die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in speziellen Graduiertenschulen und -programmen der Geistes- und Sozialwissenschaften als positiv. Empfehlen aber gleichzeitig zur Talententwicklung und Kontinuitätssicherung mehr „Tenure-Track-Professuren“ einzurichten.             

Der Wissenschaftsrat hat auch konkrete Vorschläge gemacht, wie die Universität noch besser werden kann. Neben der Schärfung des Universitätsprofils und der Gesamtstrategie sehen die Expertinnen und Experten die Notwendigkeit, die große Spezialisierung einiger geisteswissenschaftlicher Fächer im Grundstudium (Bachelor) zu reduzieren. Um die Internationalisierung zu stärken, sollte die Universität Angebote im Masterbereich auf die Unterrichtssprache Englisch umstellen und verstärkt weltweite Kooperationen eingehen. Weiterhin empfiehlt das Gremium, Transfer explizit als Governance-Aufgabe zu verstehen und eine eigene Transferstrategie zu entwickeln. Die dringlichste Aufgabe sieht der Wissenschaftsrat in der Qualitätssicherung der Lehre und fordert die Universität auf, ihre Studienangebote akkreditieren zu lassen.

An der Universität Hamburg studieren rund 38.000 junge Menschen. Davon gehören mehr als zwei Drittel (70 Prozent) einer geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fakultät an. Von den rund 170 Hauptfach-Studiengängen entfallen 130 auf Studiengänge der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Universität Hamburg ist in acht Fakultäten gegliedert: Rechtswissenschaft; Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Medizin; Erziehungswissenschaft; Geisteswissenschaften; Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, Psychologie und Bewegungswissenschaften sowie Betriebswirtschaft. Das Budget der Universität Hamburg belief sich im Jahr 2016 auf 294,9 Mio. Euro.

Die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Gesamtstrategie der Universität Hamburg (Drs. 5936-17)“ sind zum Download bereitgestellt: www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/5936-17.pdf.