Hamburg wird weltweiter Spitzenstandort für Infektionsforschung

Mehr als 500 Gäste bei feierlicher Eröffnung des interdisziplinären Zentrums für strukturelle Systembiologie (CSSB)

Heute wurde das neue Gebäude des Centre for Structural Systems Biology (CSSB) auf dem Forschungscampus Bahrenfeld (DESY-Gelände) in Hamburg feierlich eröffnet. Im CSSB arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von zehn verschiedenen Institutionen aus vier Bundesländern. Sie forschen interdisziplinär an einigen der drängendsten Fragen zu Strukturen und Systemen von Viren, Bakterien und Parasiten: Wie sehen sie aus? Wie passen sie sich an neue Umgebungen an? Wie tricksen sie unsere Zellen aus? Nur wenn wir lernen, wie diese Krankheitserreger funktionieren, können wir uns effektiv vor ihnen schützen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen wollen die CSSB-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Entwicklung von neuen Medikamenten, Behandlungsmethoden und Therapien beitragen.

Spitzenstandort für Infektionsforschung

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, Gabriele Heinen-Kljajic, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur und weitere Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft nahmen an der Eröffnung zusammen mit Mitgliedern der CSSB-Partnerinstitute und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland teil.

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Die Einweihung des CSSB ist ein Meilenstein in der interdisziplinären Erforschung von Infektionen und Resistenzen. Hier haben die Forscherinnen und Forscher Zugriff auf europaweit einmalige Licht- und Röntgenstrahlungsquellen und so die Möglichkeit, Strukturbiologie, Infektionsbiologie und Systembiologie miteinander zu verbinden. Damit entsteht in Hamburg ein neuartiger Forschungsschwerpunkt, der die komplexen Prozesse und Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und ihren Wirten in den Fokus rückt.“

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Ich freue mich, dass die Forschungsarbeiten im CSSB-Neubau nun starten können. Das neue Gebäude bietet den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hervorragende Rahmenbedingungen: Sie können einerseits die modernsten Technologien im CSSB nutzen und anderseits ihre Forschung an den ultrahellen Lichtquellen des DESY vorantreiben. Diese Verbindung von hervorragenden Expertinnen und Experten und modernster Technik über verschiedene Fachdisziplinen hinweg, sind dafür verantwortlich, dass uns die Welt um den Forschungscampus Bahrenfeld schon jetzt beneidet. Das neue CSSB-Gebäude ist dabei ein weiterer wichtiger Schritt, um den Campus zu einem Spitzenstandort für Strukturforschung mit internationaler Strahlkraft auszubauen und gibt dem gesamten Wissenschaftsstandort Hamburg und der Metropolregion einen weiteren Schub.“

Interdisziplinäre Forschung in hochmodernem Neubau

Das neue CSSB-Gebäude wurde gezielt entwickelt, um Grundlagenforschung, fächerübergreifende Zusammenarbeit, Innovation sowie Mentoring für Nachwuchskräfte zu fördern. Es bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowohl modernste hauseigene Technologie, wie die Kryo-Elektronenmikroskope, als auch den direkten Zugang zu DESYs einzigartigen Röntgenlichtquellen wie dem Synchrotron-Speicherring PETRA III und dem nahe gelegenen Freie-Elektronen-Laser European XFEL.

Das vierstöckige Gebäude mit Laboratorien und Büros bietet Raum für etwa 180 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Forschungsneubau hat rund 52 Millionen Euro gekostet. Davon übernimmt der Bund rund 36,5 Millionen. Die Freie und Hansestadt Hamburg trägt 8,5 Millionen Euro. Niedersachsen zahlt 5 Millionen Euro und Schleswig-Holstein weitere 2 Millionen Euro.

Gabriele Heinen-Kljajic, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur: „Die Eröffnung des Zentrums für strukturelle Systembiologie ist ein Meilenstein für die strukturbiologische Forschung in Norddeutschland. Insbesondere die Struktur- und Systembiologie sowie die Infektionsforschung in Niedersachsen profitieren von den Möglichkeiten, die das DESY mit den modernsten Strahlenquellen bietet. Das CSSB ermöglicht es, durch Infektionen verursachte Volkskrankheiten mit interdisziplinären Forschungsansätzen zu bekämpfen.“

Molekulares Leben im CSSB beobachten – dank Kryo-Mikroskopen

Im Untergeschoss des Gebäudes werden mehrere Kryo-Elektronenmikroskope in einem speziell für die Anforderungen der Kryo-Elektronenmikroskopie-Facility designtem Bereich installiert. Diese Technologieplattform ist in Deutschland einzigartig und zählt europaweit zu den besten Anlagen. Mit den High-Tech-Mikroskopen lassen sich auf molekularer Ebene kleinste biologische Strukturen dreidimensional abbilden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können so die komplexen molekularen Strukturen und Funktionsweisen von Erregern und ihre Wechselwirkungen mit Wirtzell-Komponenten wie Proteinen und Membranen untersuchen. Die so gewonnenen Einsichten bilden die Grundlage zur Identifizierung kritischer Schritte im Infektionsverlauf und zur Entwicklung neuer Strategien der Intervention.

Matthias Wilmanns, Wissenschaftlicher Direktor des CSSB: „Ich freue mich sehr über die heutige Eröffnung des CSSB-Gebäudes; damit wird eine inspirierende Vision Wirklichkeit. Seit ich nach Hamburg gekommen bin, war es immer mein Traum, die innovative Infrastruktur bei DESY zu nutzen, um die Erkundung wichtiger biomedizinisch und gesellschaftlich relevanter Forschungsideen zu ermöglichen.“

Das CSSB ist ein weiterer Baustein auf dem Weg, den ursprünglich vorrangig durch hervorragende Physik geprägten Forschungscampus Bahrenfeld zunehmend auch um die Lebenswissenschaften und insbesondere die Medizin zu ergänzen. Damit wird der interdisziplinäre Brückenschlag von der Physik über die Chemie und Biologie hin zur Medizin erneut gestärkt und die bereits für die Naturwissenschaften weltweit bekannte Expertise und Technologie des Campus auch für die Erforschung von Krankheiten genutzt.

CSSB-Partnerinstitutionen:

Bernhard-Nocht Institut für Tropenmedizin (BNITM)
Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY)
European Molecular Biology Laboratory (EMBL)
Forschungszentrum Jülich (FZJ)
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI)
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung  (HZI)
Universität Hamburg (UHH)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

 Assoziierte Partnerinstitution:

Forschungszentrum Borstel (FZB)

Das CSSB ist eine Kooperation ohne Rechtspersönlichkeit. Alle Partner handeln ausschließlich in eigenem Namen und auf eigene Verantwortung.

Weitere Informationen über CSSB finden Sie unter:

www.cssb-hamburg.de

Fotos von der Veranstaltung sind ab 13 Uhr erhältlich über:

www.cssb-hamburg.de/images/gallery