Metropole der Wissenschaft des Nordens

Hamburg ist eine gute Stadt für Wissenschaft und Forschung. Die Hansestadt soll daher noch mehr als bisher eine herausragende Rolle auf diesen Gebieten spielen. Dies kündigte Bürgermeister Olaf Scholz am Dienstag Abend während seiner Grundsatzrede vor dem Überseeclub in der Bucerius Law School an. "Eine weltoffene Stadt wie Hamburg kann gar nicht anders, als auch eine Stadt der Wissenschaft zu sein", sagte Scholz.

Metropole der Wissenschaft des Nordens

In seiner Rede betonte Scholz, dass die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas zu einem großen Teil von ihren Beiträgen zur Spitzenforschung und ihren Verbindungen mit den globalen Topzentren der Wissenschaft abhänge. "Wissenschaft ist wie eine Art Generalschlüssel für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit," ist der Bürgermeister überzeugt. Deutschland brauche daher einen weiteren Standort von internationaler Exzellenz und hoher Anwendungsorientierung im Norden der Republik. Und Europa brauche eine leistungsfähige Wissenschaftsmetropole, die für die nördlichen Länder die Kräfte bündele. "Diese Rolle soll Hamburg spielen“, sagte Scholz.

Exzellenzstrategie

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin sei, dass die Universität Hamburg "möglichst bald" den Exzellenzstatus erhalte. Dies werde die Hochschulen in der Stadt insgesamt voranbringen. "Es ist wichtig, dass wir uns in der Wissenschaft zur Exzellenz bekennen und sie aktiv anstreben – und auch, dass die Bundesrepublik ihre herausragenden Wissenschaftsstandorte unterstützt." Die Voraussetzungen dafür seien gut: Vier von fünf angemeldeten Exzellenzclusteranträgen haben die erste Auswahlrunde im laufenden Verfahren erfolgreich bestanden. Das "ist eine wichtige Bestätigung für die gute Arbeit der Universität Hamburg", unterstrich der Bürgermeister.

Für die Zukunft gelte es, den Wohlstand und die hohe Lebensqualität für die Hamburgerinnen und Hamburger nicht nur zu sichern, sondern spürbar zu steigern. "Mir geht es um unsere gemeinsame Zukunft und die Zukunft unserer Kinder. Eine Zukunft in Wohlstand, Freiheit und Frieden. Eine Zukunft, in der jeder bei uns eine Arbeit findet und sich das Leben nach seinen Vorstellungen einrichten kann; in der wir mit weniger Emissionen und einem geringeren Verbrauch natürlicher Ressourcen ein höheres Wirtschaftswachstum schaffen; in der die Kinder in dem Vertrauen heranwachsen können, dass sie auf die Zukunft einmal gut vorbereitet sein werden," betonte Olaf Scholz.

Herausragender Standort der Wissenschaft

Aber keine der großen Zukunftsherausforderungen lasse sich ohne Wissenschaft zufriedenstellend angehen. Dem trage Hamburg Rechnung. Beispielhaft nannte Scholz in seiner Rede den Aufbau einer Spitzenposition in der Strukturforschung in Bahrenfeld, "unser vielleicht größtes Zukunftsprojekt". In Bahrenfeld entstehe ein Ort, an dem Wissenschaft und Unternehmen gemeinsam forschen können. Es soll ein großes Wissenschafts- und Innovationszentrum für den Norden entstehen, an dem Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen einen Platz finden. Dadurch werde Hamburg als großer deutscher Wissenschaftsstandort neben München-Garching und Berlin-Adlershof etabliert.

Darüber hinaus nannte Scholz beispielhaft die Entwicklung weiterer Zukunftsfelder, etwa in Medizin und Infektionsforschung sowie eine Stärkung der Informatik und der naturwissenschaftlichen Institute. In diesem Zusammenhang betonte Scholz, dass Hamburg ein herausragender Standort für Informatik werden solle.

Aber trotz der herausragenden Stellung Hamburgs in den naturwissenschaftlich und technischen Fächern sei Spitzenforschung, Grundlagenforschung und Exzellenz in den Geistes- und Sozialwissenschaften genauso möglich und nötig. "Diese sind unverzichtbar, damit wir den durch die Globalisierung und den technischen Fortschritt angestoßenen gesellschaftlichen Wandel verstehen und in unserem Sinne gestalten können", hob Scholz die Bedeutung dieser Fachrichtungen hervor.

Digitalisierung

Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt Hamburgs ist die Bewältigung der Herausforderungen, die sich infolge der Digitalisierung ergeben. Scholz: "Einen so tiefgreifenden Wandel, wie ihn die Digitalisierung mit sich bringt, hat die Menschheit allenfalls bei der Erfindung des Buchdrucks oder bei der Elektrifizierung und Industrialisierung erlebt." Die Digitalisierung habe neue Zugänge zum Wissen und neue Wege des Austauschs von Wissen geschaffen. Eine zeitgemäße Lehre nutze dieses Interesse und diese Möglichkeiten, denn Lehre sei immer auch Kommunikation. Deshalb sei es wichtig, eigene Kommunikationsplattformen zur Unterstützung von Lehre und Forschung aufzubauen, damit die Hochschulen sich bei der Gestaltung ihrer Lehrangebote nicht nach den Vorgaben eines in der Regel US-amerikanischen Plattformbetreibers richten müssten. "Wer die Plattform hat, bestimmt die Spielregeln", sagte Scholz.

Als Beispiel nannte der Bürgermeister die Gründung der Hamburg Open Online University, kurz HOOU. An der HOOU entwickeln alle sechs staatlichen Hamburger Hochschulen gemeinsam mit dem Multimedia Kontor Hamburg neue digitale Formate und Inhalte. Damit schaffe man eine technologische Plattform und zugleich ein methodisch-didaktisches Konzept für die Hochschullehre im digitalen Zeitalter. "Die sechs staatlichen Hamburger Hochschulen, die hier hervorragend zusammenarbeiten, leisten da echte Pionierarbeit", lobte Scholz.

Talente fördern

Eine Wissenschaftsmetropole wie Hamburg braucht eine hervorragende Lehre, auch weil Hochschulen "die Zukunft unserer Kinder" sichern, erklärte Scholz. Das Interesse der jungen Generation am Studium steige, bereits heute studieren mehr als 100.000 junge Männer und Frauen in Hamburg. "Viele haben ein Bildungsinteresse und wünschen sich für später eine qualifizierte Arbeit.“ Sie hätten einen Anspruch darauf, ihre Bildungswünsche umsetzen zu können. Hamburg werde diesem Wunsch gerecht. Scholz: "Wir wollen jedem Talent eine reelle Chance geben."

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