Fragen an Prof. Dr.-Ing. C. Emmelmann

Als Autor von über 400 nationalen und internationalen Veröffentlichungen gründete Prof. Emmelmann 2009 die LZN Laser Zentrum Nord GmbH, das aktuell zum Fraunhofer IAPT umfirmiert wird, als Spin-off aus der TUHH und leitet diese seither als Geschäftsführer. 

Sechs Fragen an Prof. Dr.-Ing. C. Emmelmann

1. Aktuell ist 3D-Druck in aller Munde, viele Medien berichten darüber. Was ist das das überhaupt? Wie funktioniert 3D-Druck?  

"Der 3D-Druck erzeugt dreidimensionale Objekte in verschiedensten Materialien im Gegensatz zum zweidimensionalen  Bedrucken von Papier z.B. mit Tinte. Durch schichtweises selektives Verschweißen von formlosen Stoffen, wie z.B. Pulvern, Drähten oder Flüssigkeiten, wächst ein Bauteil additiv genau dort, wo es digital konstruiert wurde im Gegensatz zum Fräsen oder Drehen von Bauteilen durch subtraktives, selektives Trennen von Vorprodukten bzw. Halbzeugen." 

2. Welches Potenzial bietet der 3D-Druck für die etablierten Wirtschafts- und Forschungsbereiche in Hamburg  (z.B. Luftfahrt, Hafen und Logistik)? 

"Durch die additive Fertigung im 3D-Druck können Produkte schneller, ressourceneffizienter  und insbesondere bionischer also der optimierten Naturfunktion nachgeahmt hergestellt werden. Das bedeutet individuelle, leichtere, leistungsfähigere, multifunktionale, effizientere und ökologischere Flugzeuge, Autos, Maschinen oder medizinische Produkte wie z.B. für die Dentaltechnik oder Endoprothetik. Dank unserer Forschung und Technologieberatung fliegen bereits im Flugzeug erste bis zu 80 Prozent leichtere Teile, die pro eingespartem Kg ca. 6t CO2 Emissionen für die Herstellung und 600000 Euro Kerosin für die Flugzeuge z.B. einer Lufthansa für Ihren Lebenszyklus einsparen könnten.

Die langfristige Vision dieser Technik ist der mögliche dezentrale Ausdruck solcher Produkte vor Ort nach weltweitem Versand lediglich digitaler Daten, was die Logistik und damit auch den Schiffstransport revolutionieren würde, aber ökologisch sehr nachhaltig wäre."

3. Manche Experten sprechen sogar von der nächsten industriellen Revolution. Wie ist Ihre Einschätzung dazu? 

"Der 3D-Druck wird die nächste industrielle Revolution nach dem Computer ermöglichen, mit dem wir maximale bionische Funktionseffizienzen nicht nur berechnen, sondern in Zukunft auch vollautomatisiert kostengünstig überall ausdrucken können. Und das für fast alle technischen Produkte, die wir heute nutzen."

4. Ihre Zukunftsvision 2050 für Hamburg in Sachen 3D-Druck? 

"Wir sind mit unserer mittlerweile 16-jährigen Forschung im 3D-Druck sowie 100 Experten im ehemaligen Laser Zentrum Nord und seit 2018 Institut für Additive Produktionstechnologien der Fraunhofer Gesellschaft Weltmarktführer in der wissenschaftlich industriellen Forschung und dem Technologietransfer für den 3D-Druck. Mit geplanten Investitionen von 50 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren sollten wir in der Lage sein, den bevorstehenden Weltmarkt von heute fünf Milliarden und 100 Milliarden Euro in zehn Jahren federführend zu bedienen.  Bereits heute führen wir Gespräche mit großen internationalen Konzernen, die aufgrund unserer Kompetenzen für Ihre 3D-Druck Strategie  in Hamburg investieren wollen. Damit könnte aus der derzeitigen Welthauptstadt im wissenschaftlichen Bereich auch ein weltweit führendes Silicon Valley für den 3D-Druck in Bergedorf entstehen."

5. Was macht die Faszination 3D-Druck für Sie aus? 

"Ich bin fasziniert von jeglicher technischen Innovation und Herausforderung. Beides verbindet der 3D-Druck mit gewaltigem disruptiven also zerstörerischem Change in allen Wertschöpfungsstufen und maximalen Verbesserungen für unsere industrielle Zukunft hinsichtlich Ökologie, Ökonomie sowie Lebensqualität und Wohlstand für diejenigen, die sich dieser industriellen Revolution anschließen." 

6. Was würden Sie gerne einmal mit einem 3D-Drucker herstellen? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf… 

"Wenn es gelingt, die individuelle Mobilität durch autonome kombinierte Erd- und Luftfahrzeuge zu realisieren, würde ich gern dazu beitragen wollen, mit dem bionisch smarten 3D-Druck ein wichtiger Enabler für  ein Produkt mit maximalem Kunden- und Umweltnutzen zu sein."