Fragen an Prof. Dr. Horst Weller

Prof. Dr. Horst Weller ist Forschungsbereichsleiter am Zentrum für Angewandte Nanotechnologie CAN, das Teil des Fraunhofer IAP, mit Sitz in Hamburg ist. Am Fraunhofer-Zentrum für Angewandte Nanotechnologie CAN werden anorganische Nanopartikelsysteme entwickelt. Dort werden Forschungsergebnisse in Lösungsstrategien für neue oder verbesserte Produkte überführt.

Fünf Fragen an Prof. Dr. Horst Weller

1. In welchen Bereichen arbeitet, entwickelt und forscht das IAP CAN?

"Wir arbeiten an der Herstellung und Anwendung von funktionalen Nanopartikeln für Bereiche wie die Display und Beleuchtung, Energieumwandlung, Medizin und Kosmetik. Darüber hinaus beschäftigen wir und mit Spezialpolymeren für den Einsatz in der Kosmetikindustrie."

2. Was ist das Besondere am IAP CAN? 

"Wir haben hier in Hamburg eine besondere Expertise für diese Systeme, da wir sehr eng mit meiner Universitätsgruppe zusammenarbeiten, die als Pionier auf der Gebiet der chemischen Nanotechnologie in den erwähnten Bereichen gilt. Die Integration in die Fraunhofer Gemeinschaft ermöglicht es, unsere Aktivitäten weiter auszubauen und neue Kooperationen einzugehen. Als Forschungsbereich des IAP haben haben wir viele neue Kollegen dazu gewonnen, die in gut passenden und komplementären Bereichen arbeiten, wodurch die Überführung unseres Know Hows in industrielle Anwendungen noch weiter verbessert wird."

3. Was sind Nanopartikel und wofür sind diese gut?

"Nanopartikel sind Teilchen mit Ausdehnungen von nur einigen millionstel Millimetern. Sie werden dispergiert in Lösung erzeugt und für die jeweilige Anwendung optimiert. Partikel in diesem Größenbereich haben besondere magnetische, optische, elektronische oder katalytische Eigenschaften, die sich von denen der entsprechenden makroskopischen, kompakten Festkörpern unterscheiden. Sie werden z.B. für die Herstellung von Displays, als besonders effiziente Katalysatoren in Brennstoffzellen, zur Erzeugung hochbelastbarer Werkstoffe oder in der Medizin als Kontrastmittel oder für zielgerichteten Medikamententransport eingesetzt."

4. Man liest ja ab und zu, dass Nanopartikel auch gesundheitsschädigend sein können. Stimmt das wirklich? Wie ist Ihre Einschätzung hierzu?

"Es ist zu früh, ein endgültiges und generelles Statement hierzu abzugeben. Allerdings muss man bedenken, dass wir schon immer in der Natur von Nanoteilchen umgeben waren und der Körper ein sehr effizientes Abwehrsystem gegen eindringende Fremdkörper entwickelt hat. Bis heute kennt man praktisch keine Beispiele für eine besondere Nanotoxizität: Nanopartikel, die toxisch wirken, sind auch als „normale“ Substanzen toxisch. Unbedingt vermeiden sollte man das Einatmen von nanopartikulären Stäuben, weil auf diesem Wege Materialien in den Körper gelangen, die sonst möglicherweise gar nicht aufgenommen werden. Mit solchen Systemen befassen wir uns aber nicht."

5. Welches Potential steckt in der Nanotechnologieforschung für den Innovationsstandort Hamburg?

"Hamburg ist eines der weltweit führenden Zentren in den Nanowissenschaften und damit bestens geeignet, die neuesten Ergebnisse in die Anwendung zu bringen. Dies schafft die Basis für Ausgründungen und neue Ansiedlungen."