Mariana Llanos – Politikwissenschaftlerin

Mariana Llanos, Politikwissenschaftlerin

In Brasilien wird eine Präsidentin vom Kongress mit einem Amtsenthebungsverfahren abgesetzt. In Venezuela entmachtet ein Präsident den Kongress. Die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen: weitreichend. Es ist der Machtkampf zwischen Präsidenten und anderen Institutionen, der Mariana Llanos besonders fasziniert. Als Senior Research Fellow leitet sie am GIGA German Institute of Global and Area Studies den Forschungsschwerpunkt zu politischer Verantwortung und Partizipation.

„Mich interessiert, wie sich politische Systeme auf Fragen von Demokratie und Mitsprache auswirken – und was passiert, wenn das System ins Wanken gerät“, erzählt Mariana Llanos. „In Lateinamerika nehmen die Präsidialdemokratien viele unterschiedliche Gesichter an. In einigen Ländern gibt es mächtige Präsidenten, die verfassungsrechtliche Bestimmungen zu ihren Gunsten ändern oder die Gerichte beeinflussen. In anderen Ländern sind Präsidenten wiederum so schwach, dass sie vorzeitig vom Amt enthoben werden können.“

Vor 15 Jahren entschied sich die gebürtige Argentinierin, nach Hamburg zu ziehen. Durch den Hafen, der sie an ihre Lieblingsstadt Buenos Aires erinnert, fühlte sie schnell heimisch. Was mit einem überschaubaren Forschungsprojekt zu Gesetzgebungen in Lateinamerika begann, wurde zu einer Lebensaufgabe. Gerade erst hat Mariana Llanos mit ihrem Team ein größeres Forschungsvorhaben zu Verfassungsgerichten in Lateinamerika und Afrika abgeschlossen und die Ergebnisse u.a. in Sao Paulo und Canberra präsentiert. Im vergangenen Jahr gewann sie den Founders Award der American Political Science Association.

“Es ist inspirierend, meine Forschungsregion Lateinamerika mit den Augen einer anderen Region zu betrachten“, sagt Mariana Llanos, die die globale Perspektive des GIGA Instituts schätzt. Seit über 50 Jahren untersucht das GIGA politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost – und stellt Bezüge zwischen den Entwicklungen der Kontinente her. „Aus den Gesprächen mit Experten anderer Regionen ergeben sich oft neue Fragen und Ansätze,” so Llanos.

www.giga-hamburg.de