Prof. Dr. Martin Visbeck über den Wandel der Technik in der Ozeanographie

Prof. Dr. Martin Visbeck über den Wandel der Technik in der Ozeanographie

Ende der 80er arbeitete die Ozeanographie zunehmend mit stationären Verankerungen. Das heißt, im gewünschten Seegebiet wurden Seile mit Messgeräten und Auftriebskugeln ausgesetzt, mit Gewichten am Meeresboden fixiert und später geborgen, um die Zeitreihen auszulesen. Dann kamen die Tiefendrifter hinzu, Bojen die mit der Strömung treiben und akustisch geortet werden. Danach wurden mehr und mehr Profildrifter eingesetzt. Sie tauchen regelmäßig auf und ab und messen Temperatur, Salzgehalt oder auch Sauerstoff bis in 2.000 Meter Tiefe über Jahre hinweg.

Seit knapp zehn Jahren arbeiten wir außerdem mit Gleitern: Die Profildrifter erhielten quasi ‚Flügel‘ und kommen so zusätzlich in die Vorwärtsbewegung. In kleinen Schwärmen liefern sie uns 4D-Informationen und ermöglichen eine feinmaschige Ozeanvermessung. Diese Robotik hat unseren Aktionsradius enorm vergrößert. Wir können Wassermassen verfolgen und analysieren, Turbulenz sichtbar machen und Strömungen vermessen – für das Verständnis der Prozesse im Ozean und im Klimasystem ein echter Meilenstein.

Damals wie heute sind Forschungsschiffe hierfür die wichtigste Plattform – genauso wie für den Einsatz von modernen Unterwasserfahrzeugen oder für das Verfolgen von Spurenstoffexperimenten. Die METEOR hat all diese Innovationen unterstützt und nationale und internationale Forschungsprogramme wesentlich geprägt.”

Prof. Dr. Martin Visbeck

Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Universität Kiel und Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“