Änderung des Meeresspiegels: Land unter – oder über?

Änderung des Meeresspiegels: Land unter – oder über?

Neben Wasserbewegungen durch Strömungen und Winde justieren vor allem zwei Dinge den Meeresspiegel: Wärme und Masse. Die Weltmeere sind riesige Wärmespeicher. Steigt die Temperatur der Atmosphäre, erwärmen sich die Ozeane und das Wasser dehnt sich aus. Darüber hinaus bringen schmelzende Gletscher und Polkappen zusätzliches Wasser ins Meer.

Dieses breitet sich jedoch nicht zu einer ebenen Fläche aus. Vielmehr bestimmt die unterschiedlich starke Gravitation der Erdkruste wo besonders viel und wo weniger Wasser angezogen wird. Es entstehen Wellentäler und Wellenberge. Zusätzlich ändert sich durch die Bewegungen der Erdplatten über lange Zeiträume das Fassungsvermögen der Ozeanbecken.

Trotz extremer Schwankungen des Meeresspiegels, geht die Forschung insgesamt von einem weiteren Anstieg des Wassers aus.

Derzeit messen Satelliten einen mittleren Anstieg von zirka 3,2 Millimeter pro Jahr. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich dieser Anstieg beschleunigt. „Trotz der Beschleunigung kann der globale Meeresspiegel aber durch natürliche Faktoren schwanken und sich zwischenzeitlich sogar abschwächen.“, so Professor Detlef Stammer vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg. Der Ozeanograf geht jedoch davon aus, dass das Wasser der Ozeane durch die globale Erwärmung weiter steigt.

Modelle haben einen globalen Meeresspiegelanstieg von etwa 25 bis 100 Zentimeter bis zum Jahre 2100 errechnet – abhängig davon, wie viele Treibhausgase in Zukunft in die Atmosphäre gelangen.

Weitere Informationen zum Meeresspiegelanstieg finden Sie beim Klimaexzellenzcluster CliSAP an der Universität Hamburg

Die für die hohen südlichen Breiten projizierten Änderungen des Meeresspiegels bleiben im 21. Jahrhundert relativ gering, während der Meeresspiegel in der Arktis durch erhöhten Frischwassereintrag gegenüber dem globalen Mittel stärker ansteigt. Verschiebungen der Ozeanzirkulation führen ebenfalls zu einem ungleichmäßigen Anstieg des Meeresspiegels gegenüber dem globalen Mittel - beispielsweise im Atlantik.
Für das RCP8.5-Szenario (rechts im Video) liegt der durch die Erwärmung des Wassers bedingte Anstieg im globalen Mittel bei knapp 40 cm bis zum Jahr 2100. Regional werden jedoch wesentlich höhere Werte bis zu einem Meter simuliert. Für das RCP2.6-Szenario (links im Video) liegt der durch die Erwärmung des Wassers bedingte Anstieg im globalen Mittel bei unter 20 cm bis zum Jahr 2100. Die RCP Szenarien repräsentieren verschiedene Entwicklungspfade der Konzentrationen von Treibhausgasen, Aerosolen und zugehörige Emissionen.

Gefährdet sind vor allem niedrig gelegene Küstenebenen, Deltabereiche und Inseln – zwei Beispiele aus der Forschung

Professor Beate Ratter vom CEN spricht mit den Menschen auf den vom Meeresspiegelanstieg bedrohten Inseln. Die Geografin untersucht, wie sich die Inselbewohner auf den Meeresspiegelanstieg vorbereiten.

Bilder von den Malediven und Bahamas

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Demnach ist die Bevölkerung auf den Bahamas relativ gelassen gegenüber dem Klimawandel und dessen Folgen. Wirtschaftliche Interessen regieren dort das Geschehen. Es werden große Hotels am Wasser gebaut und die Bevölkerung ist eher besorgt um das aktuelle Wohlergehen als um die Folgen des Klimawandels in 30 Jahren.

Auf den Malediven hingegen sind den Menschen die Risiken weitgehend klar, denn die Regierung hat großflächig aufgeklärt. Trotzdem hält sich die konkrete Anpassung in Grenzen.

zur Inseldatenbank der Universität Hamburg

Artikel von Beate Ratter in National Geographic

Hamburger Klimawissenschaftlerinnen und –wissenschaftler untersuchen, wie verwundbar verschiedene Küstentypen gegenüber dem Klimawandel sind. Mit ihren Analysen können sie besonders gefährdete Regionen ermitteln.

So wurden verschiedene Küstenabschnitte Ägyptens mit Geografischen Informationssystemen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass tiefliegende Teile des Nildeltas in Zukunft nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel häufiger überflutet werden könnten, sondern sich das Land zusätzlich durch die erhöhte Entnahme von Grundwasser während Trockenperioden senkt. Das lässt den Meeresspiegel weiter steigen.

Die Wissenschaftler beobachten, dass oft einzelne Regionen durch lokale Maßnahmen geschützt werden, diese Eingriffe aber benachbarte Küsten belasten. So schützen Deiche und Wälle zwar die touristisch stark genutzten Bereiche, die Erosion in angrenzenden Bereichen wird jedoch verstärkt. Was für den einen Küstenabschnitt sinnvoll ist, kann für andere Bereiche eine Gefährdung sein.

Weitere Informationen zur Klimaforschung am CEN