Prof. Dr. Alessandro Bausi – „TraCES: From Translation to Creation: Changes in Ethiopic Style and Lexicon from Late Antiquity to the Middle Ages“

Prof. Dr. Alessandro Bausi – „TraCES: From Translation to Creation: Changes in Ethiopic Style and Lexicon from Late Antiquity to the Middle Ages“

In dem vom European Research Council geförderten Projekt „TraCES: From Translation to Creation: Changes in Ethiopic Style and Lexicon from Late Antiquity to the Middle Ages“ geht es um die Geschichte und die Entwicklung von Sprache und Literatur einer afrikanischen schriftlichen Kultur des christlichen Orients – der von Äthiopien und Eritrea – von der Spätantike bis in die Vormoderne. Im Fokus steht die klassische Sprache Geʿez, die für zwei Millennia die Hauptschriftsprache in Äthiopien und Eritrea war. Mit Hilfe moderner Technologien werden Wortschatz, Grammatik und Stil analysiert.

Grundlage der Analyse ist ein annotierter linguistischer Korpus – eine Textsammlung mit Zusatzinformationen zu Wörtern, deren Struktur und dem Satzbau der äthiopischen Texte. Alle Texte erhalten überdies Ansätze für Lemmata (Stichworte), die mit der TraCES-Lexikonanwendung verknüpft sind. Der Korpus wird so auch der Erstellung und Ergänzung eines digitalen Lexikons dienen und den eigentlichen Wortgebrauch illustrieren können. Dieses erste digitale Lexikon der äthiopischen Sprache wird nicht nur alle bisher in den Wörterbüchern (August Dillmann, Wolf Leslau) festgehaltenen Lemmata mit den möglichen orthographischen Varianten, deren Bedeutungen und weiterführenden Angaben zu Herkunft und Morphologie beinhalten, sondern auch zusätzlich aus der Korpusanalyse neu hervorgehende Bedeutungseinheiten (Lexeme). Die Möglichkeit, Lexikoneinträge nach ihrer Bedeutung zu gruppieren und dabei Synonyme zu identifizieren, macht den Korpus auch als Thesaurus nutzbar.

Der Korpus wird unterschiedliche Phasen, Schichten und Textgenres der äthiopischen Literatur widerspiegeln. Als Kern werden diejenigen Texte ausgewählt, zu denen Parallelversionen in anderen Sprachen des christlichen Orients existieren, oder die eine literarische und historische Bedeutung haben. Damit wird man lexikalische und stilistische Besonderheiten nicht nur einer konkreten Periode, sondern möglicherweise auch einer bestimmten Übersetzungstechnik zuordnen können, die man  dann zum ersten Mal mit einander vergleichen könnte. Das Projekt sieht damit das Geʿez als eine Sprache die sich stets entwickelt hat, obwohl sie seit langem nicht mehr gesprochen wird..

Aus der detaillierten Beschreibung der Quellentexte (Herkunft; Parallelversionen; Rezensionen; Handschriften; Übersetzungen) entsteht dabei die Grundlage für ein strukturiertes Verzeichnis („Clavis“) der äthiopischen Literatur (vergleichbar den bereits existierenden Werken wie der Clavis Patrum Graecorum), ein unentbehrliches Forschungsinstrument, das auch in der Lehre Anwendung finden soll. 

Alessandro Bausi (1963, PhD 1992 Naples Oriental Institute) is a philologist working on Ethiopic texts and manuscripts. Formerly Assistant (1995) and Associate Professor (2002) of Ethiopic Language and Literature at the University of Naples ‘L’Orientale’, since 2009 he is Professor for Ethiopian Studies at the Asien-Afrika-Institut and Director of the Hiob Ludolf Centre at Universität Hamburg. He is the editor of the journal Aethiopica: International Journal of Ethiopian and Eritrean Studies and of the series Aethiopistische Forschungen. Editor of the Encyclopaedia Aethiopica (2010-2014) and Chair of the Comparative Oriental Manuscript Studies networking programme (funded by the European Science Foundation 2009-2014), he is at present heading the European Research Council Advanced Grant Project ‘TraCES: From Translation to Creation: Changes in Ethiopic Style and Lexicon from Late Antiquity to the Middle Ages’ (2014-2019) and the long-term project of the Academy of Sciences and Humanities in Hamburg ‘Die Schriftkultur des christlichen Äthiopien und Eritreas: Eine multimediale Forschungsumgebung’ (2016-2040). He is a member of the Centre for the Study of Manuscript Cultures at Universität Hamburg and consultant for Ethiopic and Ethiopian studies for several series and journals. He has extensively published on Ethiopian and manuscript studies.