Prof. Dr. Thomas Eich – Contemporary Bioethics and the History of the Unborn in Islam“ (COBHUNI)

Prof. Dr. Thomas Eich – Contemporary Bioethics and the History of the Unborn in Islam“ (COBHUNI)

Prof. Dr. Thomas Eich vom Asien-Afrika-Institut der Universität untersucht seit September 2015 im Rahmen eines Consolidator Grants der European Research Council, wie sich in 1400 Jahren islamischer Geschichte die Vorstellungen vorgeburtlichen Lebens entwickelt haben. Ziel seines Projekts „Contemporary Bioethics and the History of the Unborn in Islam“ (COBHUNI) ist es, in einer Gesamtschau darzustellen, welche Faktoren diese Vorstellungen zu unterschiedlichen Zeiten beeinflusst und gegebenenfalls auch verändert haben.

Die Geschichte der Vorstellungen über das vorgeburtliche menschliche Leben im Islam ist bisher weitgehend unerforscht. Die Vorstellungen spielen jedoch in zeitgenössischen bioethischen Debatten islamischer Rechtslehre immer wieder eine Rolle, z. B. in Bezug auf Schwangerschaftsabbruch, Genforschung oder Reproduktionsmedizin.

Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine Kommentarliteratur zum Koran sowie zu gesammelten Aussprüchen des islamischen Propheten Muhammad, die sogenannten Hadithe. Beide werden bis zum heutigen Tage weiter produziert. In beiden finden sich Passagen zu Vorstellungen über vorgeburtliches Leben. So gibt die Kommentarliteratur Einblicke, wie z.B. rechtliche Fragen, theologische Diskussionen oder medizinisches Wissen der jeweiligen Zeit mit den einzelnen Koranpassagen und Hadithen in Zusammenhang gebracht wurden.
Im Rahmen von COBHUNI wird Kommentarliteratur durch Prof. Eich und sein Team systematisch gesichtet und ausgewertet. COBHUNI analysiert weiterhin, wie sich Kommunikationsprozesse zwischen religiösen Gemeinschaften und in verschiedenen Regionen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft sowie die Entstehung der modernen Medizin auf die Vorstellungen vom vorgeburtlichen Leben auswirkten.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes besteht darin, Anwendungen für arabisches Textmaterial zu adaptieren und in Teilen neu zu entwickeln. Derartige Anwendungen wurden bislang vor allem für rechtsläufige Schriften entwickelt, wie sie vor allem bei bestimmten europäischen Sprachen vorkommen, in denen die Buchstaben in der Regel nicht miteinander verbunden geschrieben werden. Da das Arabische linksläufig und mit verbundenen Buchstaben dargestellt wird, können die bestehenden computerlinguistischen Lösungen nicht ohne Weiteres übertragen werden.

Thomas Eich ist seit 2010 Professor für Islamwissenschaft an der Universität Hamburg. Er wurde im Jahr 2002 an der Universität Bochum promoviert und begann dort 2003 seine Arbeiten zur zeitgenössischen islamischen Bioethik. 2007 war er Akademischer Rat auf Zeit am Orientalischen Seminar der Universität Tübingen. Er wurde mit dem Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt Stiftung ausgezeichnet und forschte 2008 für ein halbes Jahr an Georgetown University, Washington DC.