Prof. Stefan Heidemann – Projekt „Das frühislamische Reich in Aktion – Der Blick von den Regionen zu dem Zentrum.“

Prof. Stefan Heidemann – Projekt „Das frühislamische Reich in Aktion – Der Blick von den Regionen zu dem Zentrum.“

Der Islamwissenschaftler und Univ.-Prof. Stefan Heidemann wurde 2011 an der Universität Hamburg berufen, nachdem er zuvor eine Professur an dem Bard Graduate Center wahrnahm und einer Kuratorenstelle am Metropolitan Museum of Art, New York City, bekleidete. Er hatte davor in Jena, und Leipzig gelehrt und Fellowships am Dumbarton Oaks Center for Byzantine Studies, Harvard University, Washington, am Institute for Advanced Studies in Jerusalem, und am Massachusetts Institute of Technology, wahrgenommen. Er ist bekannt für seine Forschungen zu Fragen von Ökonomie und Herrschaft im vor-modernen Vorderen Orient, die sowohl schriftliche Quellen als auch materielle Kultur gleichermaßen einbeziehen. Er nahm als Historiker mehrfach an verschiedenen Grabungen von Portugal bis zur Mongolei teil, aber insbesondere in Syrien. 

Diese durch die Archäologie geschulte regionale Perspektive auf das Agieren von Großreichen führte zu der Konzeption eines ambitioniert angelegten Forschungsprojektes, dass seit 2014 von dem European Research Council finanziert wird: „Das frühislamische Reich in Aktion – Der Blick von den Regionen zu dem Zentrum.“ Ziel des Projektes ist es, das politisch-administrative und wirtschaftliche Funktionieren eines vormodernen Großreiches, des Islamischen Imperium (ca. 660-940 n.Chr.) zu verstehen. Es erstreckte sich über fast die gesamte hellenistisch-römische Welt vom Atlantik bis zum Hindukusch. Im Gegensatz zum konventionellen Modell eines Reiches, dass sich auf die göttliche Offenbarung gründet, versucht das Projekt systematisch das Getriebe des Imperium von den Regionen her zu verstehen, sowie dem Verhandlungs- und Managementfähigkeiten des Kalifates und seiner Eliten. 

Das Projekt untersucht fünf Schlüsselregionen. Für jede Region werden die geographisch-adminstrativen Strukturen und die politische Entwicklung untersucht. Die regionalen und transregionalen Eliten werden bestimmt und die ökonomischen Resources sowie der (fiskalische) Austausch zwischen diesen Provinzen und dem Zentrum analysiert. 

Als Schlüsselregionen wurden Chorasan (Nord-Ost Iran), Fars (Süd-West Iran), Nordmesopotamien, Großsyrien, and der Maghreb aufgrund ihrer kritischen Bedeutung für das Islamische Reich ausgewählt, aber auch wegen ihrer ethnischen und religiösen Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit (Juden, Zoroastrier, Christen, Buddhisten, und Muslime). Der Vergleich zwischen den Provinzen  bildet die Basis für ein neues Verständnis wie der frühislamische Staat arbeitete und eine so großes und komplexes Reich erfolgreich für etwa 300 Jahre zusammenhalten konnte und ähnlich wie das römische Reich eine politische und religiöse Zivilisation hervorbrachte deren Bedeutung bis heute fortwirkt. Antworten werden gesucht für den dramatischen Aufstieg des frühen islamischen Reiches und seiner Regionalisierung im zehnten Jahrhundert.