Prof. Dr. Eva Wilden – Projekt NETamil


Prof. Dr. Eva Wilden – Projekt NETamil

Wie kann Gedankengut erhalten bleiben, wenn außer dem menschlichen Gedächtnis nur fragile Palmblätter als Speicher zur Verfügung stehen? Wie wandert Wissen, wenn man zu Fuß unterwegs ist? Wer darf wann verändernd in den Überlieferungsprozess eingreifen? Tamil ist die alte Kultur- und Literatursprache Südindiens, die heute weltweit von etwa 80 Millionen Menschen gesprochen wird. Mindestens seit dem Beginn unserer Zeitrechnung ist in dieser Sprache gedichtet und gedacht worden. Dank dem ERC Advanced Grant NETamil kann ein internationales Team von siebenundzwanzig Forschern der Frage nachgehen, wie es möglich ist, ein solches Kulturerbe durch die Jahrtausende zu bringen und wie es sich dabei verändert. Ein wichtiger Auftrag ist die Quellensicherung, das heißt die Auffindung und Digitalisierung der verbleibenden, zum großen Teil akut vom Zerfall bedrohten Handschriften. Zwei Gruppen arbeiten einander zu, die eine am Zentrum für das Studium von Manuskriptkulturen der Universität Hamburg, die anderen an der Partnerinstitution, dem Zentrum der Ecole Française d’Extrême-Orient (EFEO) in Pondicherry, Südindien. Sie werden unterstützt von externen Kollegen, die in den zweimal jährlich stattfindenden workshops dazustoßen.

 Principal Investigator für dieses Projekt ist Professor Dr. Eva Wilden, die am 1. Juni dieses Jahres eine Professur für Tamilistik und Manuskriptstudien in Hamburg antritt. Nach dem Studium von Sanskrit und Tamil in Tübingen und Hamburg hatte sie sich, nach einer Promotion zum vedischen Ritual in Jahr 1996, im Gebiet des klassischen Tamil 2003 in Hamburg habilitiert. Seitdem war sie als Forscherin an der EFEO teils in Pondicherry und teils in Paris tätig, für viele Jahre Schülerin des berühmten tamilischen Gelehrten T.V Gopal Iyer, auf der Suche nach Handschriften und mit der Reedition des klassischen literarischen Korpus befaßt. Im Jahre 2015 wurde sie mit Kural Peetam Presidential Award in Delhi ausgezeichnet. 

Palmblatthandschriften müssen im feuchten Klima Südindien etwa alle hundert Jahre neu kopiert werden, um den Verlust von Informationen zu vermeiden. Während ihrer Lebenszeit ist es notwendig, sie regelmäßig mit speziellen Ölen gegen Insektenbefall zu schützen. 

Eine neue Bibliothek: das shivaitische Kloster von Tiruvavatuturai, Träger einer der ältesten Sammlungen von Tamil­manuskripten, hat im letzten Jahr endlich eine neue Bibliothek bekommen. Wie fast überall im Lande ist es nicht möglich, die Lagerräume zu klimatisieren und so die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit konstant zu halten.