Prof. Dr. Thomas Eschenhagen – Das individuelle Risiko einer Herzschwäche

Prof. Dr. Thomas Eschenhagen – Das individuelle Risiko einer Herzschwäche

Das individuelle Risiko einer Herzschwäche

Prof. Dr. Thomas Eschenhagen, Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und Sprecher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), will ein analytisches Verfahren entwickeln, das das individuelle Risiko bestimmt, an einer Herzschwäche zu erkranken. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Prof. Eschenhagen. „Im Herzen spielen wahrscheinlich einige Tausend der rund 22.000 Gene des Menschen eine Rolle. Von vielen dieser Gene kennen wir zwar zahlreiche genetische Varianten, wissen aber inzwischen, dass erst die Mischung all dieser Varianten das Krankheitsrisiko relevant bestimmt.“ Mit einem künstlichen, dreidimensionalen Herzmodell sollen die verschiedenen Varianten erfasst werden und den Forschern individuelle Aussagen ermöglicht werden. Das Forschungsprojekt heißt deshalb auch IndivuHeart – ein Kunstwort für individuelles Herz.

Für die Entwicklung des Herzmodells werden sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) benötigt, aus denen sich im Labor Herzmuskelzellen herstellen lassen. Im Institut für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie entnimmt eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Arne Hansen zunächst Menschen mit vererbbaren Herzerkrankungen einige Hautzellen. Diese Zellen verwandeln die Forscher mit speziellen Verfahren in iPS-Zellen, aus denen sie dann Herzmuskelzellen und schließlich dreidimensionale, gleichmäßig schlagende Herzmuskeln züchten. Prof. Eschenhagen: „An diesen künstlichen Herzmuskeln, die wir mit künstlichen Herzmuskeln gesunder Menschen vergleichen, studieren wir die Folgen von Gendefekten. Im nächsten Schritt können wir dann auch Medikamente oder andere Therapiemöglichkeiten testen.“

Die Herstellung dieser 3D-Modelle will Prof. Eschenhagen im Rahmen des Forschungsprojektes so verbessern, dass sie weitgehend automatisiert abläuft. „Das ist notwendig, um die wahrscheinlich kleinen Unterschiede zwischen gesunden und kranken Menschen, zwischen Gesunden und noch gesunden Trägern einer möglicherweise kritischen Mutation erfassen zu können. Erst dann können wir sichere Vorhersagen machen und einzelnen Patienten und ihren Ärzten bei einer Therapieentscheidung helfen.“

Prof. Dr. Thomas Eschenhagen studierte Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Molekularbiologie an der Universität Hamburg. Er forschte als Heisenbergstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in St. Louis, Baltimore, Stanford und Paris. Seit 2002 ist er Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie des UKE.