Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz – Die Entwicklung neuronaler Netzwerke im Gehirn

Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz – Die Entwicklung neuronaler Netzwerke im Gehirn

Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz, Leiterin der Arbeitsgruppe Entwicklungsneurophysiologie im Institut für Neuroanatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), und ihr Team untersuchen die Entwicklung neuronaler Netzwerke in gesunden und erkrankten Gehirnen, um den Ursachen neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen näher zu kommen. Hierfür setzt Prof. Hanganu-Opatz unter anderem eine neue wissenschaftliche Methode ein, die sogenannte „Optogenetik“. Diese ermöglicht es, mit sehr hoher Präzision die Aktivität von Nervenzellen zu kontrollieren. Der Gruppe von Prof. Hanganu-Opatz ist es zum ersten Mal gelungen, dieses Verfahren auch im unreifen Gehirn durchzuführen.

Diese Forschungsarbeit ist Auftakt eines Projektes, das seit 2016 mit zwei Millionen Euro vom European Research Council gefördert wird. Im Rahmen des Projektes mit dem Namen „PSYCHOCELL“ steht die Suche nach den Nervenzellen, die eine zentrale Rolle für die krankhafte Verschaltung bestimmter Hirnregionen spielen, im Fokus. Konkret geht es darum, die Arbeitsweise der Zellen zu verstehen, die zur fehlerhaften Entwicklung des Nervennetzwerkes und damit zur Herausbildung von neuropsychiatrischen Funktionsstörungen führen.

Schwere Funktionsstörungen belasten langfristig das Gehirn und führen zu dauerhaften Schädigungen, die Merkmal neuropsychiatrischer Erkrankungen sind. Am stärksten ist hiervon die geistige Leistungsfähigkeit betroffen. Für den Betroffen bedeutet dies konkret, dass er nur über ein eingeschränktes Erinnerungsvermögen und Aufmerksamkeit verfügt und – je nach Grad der Störung – wichtige Informationen entweder verspätet oder auch gar nicht mehr abrufen kann. Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass die Ursache für die Schädigung des Gehirns bereits lange vor Auftreten der ersten Krankheitssymptome erfolgt sein muss, also zum Beispiel bereits als Fötus im Mutterleib oder im Säuglingsalter.

Bereits in früheren Studien gelang es Prof. Hanganu-Opatz in Mäusen, die bestimmte Merkmale der Erkrankung nachahmen, die krankhafte Kommunikation zwischen Hirnregionen während dessen frühen Entwicklung zu entschlüsseln. Darauf aufbauend gilt es nun herauszufinden, wie die Zellen funktionieren, die verantwortlich für die abnormale Entwicklung des Nervennetzwerkes und somit letztlich ursächlich für die Bildung von neuropsychiatrischen und neurologischen Krankheiten sind. Hierfür ist eine tiefergehende und sehr präzise Erforschung dieser Nervenzellen erforderlich, an welcher Prof. Hanganu-Opatz und ihre Gruppe intensiv arbeiten. Das ERC-geförderte Projekt „PSYCHOCELL“ ist somit ein wichtiger Meilenstein auf dem langwierigen Weg zur Erschaffung neuer therapeutischer Ansätze, die eine Abschwächung der bedrohlichen Auswirkungen dieser Krankheiten möglich erscheinen lässt.

Ileana Hanganu-Opatz hat Biochemie und Biologie an der Universität Bukarest in Rumänien studiert und 2002 an der Universität Düsseldorf promoviert. Nach Forschungsaufenthalten in Mainz und Marseille bekam sie die renommierte Emmy Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und etablierte ihre Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo sie seit 2009 als Professorin tätig ist. Prof. Hanganu-Opatz koordiniert ein Schwerpunktprogramm der DFG, hat eine Reihe von Preisen und Ehrungen erhalten und ist in nationalen und internationalen Gremien tätig. Seit 2014 ist sie Mitglied des Europäischen Exzellenznetzwerkes. Ileana Hanganu-Opatz ist verheiratet und hat eine Tochter.